Warum Prävention zur Zukunftsfrage der Arbeitswelt wird

Annabel Aufermann • 15. Mai 2026

Warum Prävention zur Zukunftsfrage der Arbeitswelt wird

Aktuelle Gesundheitsreports zeigen: Immer mehr Unternehmen investieren in mentale Gesundheit, Prävention und gesundheitsförderliche Arbeitsstrukturen.

Psychische Belastungen gehören für viele Menschen inzwischen zum Arbeitsalltag. Zeitdruck, Personalmangel, ständige Erreichbarkeit und das Gefühl, dauerhaft funktionieren zu müssen, prägen zahlreiche Berufsfelder.


Gleichzeitig erkennen immer mehr Unternehmen: Gesundheit ist längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern eine entscheidende Grundlage für Motivation, Leistungsfähigkeit und langfristige Mitarbeitendenbindung. Der Anteil strukturierter Mental-Health-Programme in Betrieben ist seit 2019 von 20% auf 55% gestiegen.


Im aktuellen Psychoreport 2025 wird daher die zentrale Frage gestellt:

„Wollen wir [als Gesellschaft] mentale Belastung normalisieren – oder eine Arbeitswelt schaffen, die Menschen stärkt und stützt?“


Eine Frage, die aktueller kaum sein könnte...


Inhaltsverzeichnis:

  1. Psychische Belastungen nehmen weiter zu
  2. Warum sich Gesundheitsförderung für Unternehmen lohnt
  3. Gesundheit beginnt nicht erst bei Krankheit
  4. Gesundheitscoaching als ressourcenorientierter Ansatz
  5. Gesundheitsförderung in Apotheken und Gesundheitsberufen
  6. Mentale Gesundheit im Arbeitsalltag sichtbar machen
  7. Gesundheit darf kein Luxus sein

Psychische Belastungen nehmen weiter zu

Viele Beschäftigte fühlen sich emotional erschöpft, dauerhaft gestresst oder innerlich distanziert von ihrer Arbeit. Die Zahlen zeigen dabei deutlich, dass es sich längst nicht mehr um ein individuelles Problem einzelner Personen handelt.


Psychische Erkrankungen gehören inzwischen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit.

Laut Psychoreport 2025 stiegen die psychisch bedingten Fehltage seit 2019 um mehr als 50 %. Allein 2024 entfielen 342 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherte auf psychische Erkrankungen.


Besonders betroffen sind dabei junge Erwachsene. Laut aktuellen Erhebungen berichten mehr als die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen von psychischen Belastungen oder Erkrankungen.

Besonders alarmierend: Oft wird Überlastung mittlerweile als normal angesehen. Doch genau hier liegt das Problem. Stress wird zum Statussymbol, Erschöpfung zur Begleiterscheinung eines „engagierten“ Arbeitslebens.


Gerade diese Entwicklung macht deutlich, wie wichtig gesundheitsförderliche Arbeits- und Lebenswelten in Zukunft sein werden.

Zahlreiche Studien und Berichte zeigen längst, dass Investitionen in Gesundheit nicht nur den Mitarbeitenden zugutekommen, sondern auch Unternehmen selbst.

Warum sich Gesundheitsförderung für Unternehmen lohnt

Immer mehr Betriebe investieren gezielt in betriebliche Gesundheitsförderung, mentale Gesundheit und präventive Angebote.

Während 2019 noch etwa 20 % der Unternehmen strukturierte Mental-Health-Programme angeboten haben, sind es 2025 bereits rund 55 %.


Auch im Bereich der Prävention ist ein klarer Ausbau zu erkennen. Resilienztrainings, die früher eher vereinzelt eingesetzt wurden, gehören heute in vielen Unternehmen zum Standard und werden mittlerweile von etwa 40 % der Arbeitgeber angeboten.


Gleichzeitig setzen immer mehr Organisationen auf flexiblere Arbeitsmodelle. Hybride Arbeitsformen, die Homeoffice, Büro und flexible Arbeitsorte kombinieren, sind inzwischen in fast 60 % der Unternehmen etabliert.


Und das aus gutem Grund.


Die Auswirkungen psychischer Belastungen betreffen nicht nur einzelne Mitarbeitende, sondern auch Unternehmen und das gesamte Gesundheitssystem. Der Psychoreport 2025 beziffert die jährlichen Kosten psychischer Erkrankungen in Deutschland inzwischen auf 63,3 Milliarden Euro.

Gesunde Mitarbeitende sind im Durchschnitt motivierter, belastbarer und langfristig seltener krank. Gleichzeitig können gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen, Fluktuation reduzieren und Unternehmen als attraktive Arbeitgeber positionieren.


Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wird deutlich: Menschen bleiben eher dort, wo sie sich gesehen, unterstützt und ernst genommen fühlen. Gesundheit am Arbeitsplatz bedeutet deshalb weit mehr als ein Obstkorb oder ein einzelner Gesundheitstag im Jahr. Es geht um eine Unternehmenskultur, die Menschen stärkt statt erschöpft.

Gesundheit beginnt nicht erst bei Krankheit

Ein zentraler Perspektivwechsel besteht darin, Gesundheit nicht nur als Abwesenheit von Krankheit zu betrachten.

Prävention bedeutet, Belastungen frühzeitig wahrzunehmen, Ressourcen zu stärken und Menschen dabei zu unterstützen, gesundheitsförderliche Strategien in ihren Alltag zu integrieren.


Genau hier können Angebote wie Gesundheitscoaching, Workshops oder Mental-Health-Schulungen eine wichtige Rolle spielen.

Denn viele Menschen wissen zwar, dass sie etwas verändern müssten – finden im stressigen Alltag jedoch kaum Raum oder Orientierung dafür. Gesundheitsförderung schafft deshalb nicht nur Wissen, sondern vor allem Handlungsmöglichkeiten.


Die Frage ist deshalb längst nicht mehr, OB Unternehmen sich mit Gesundheit beschäftigen sollten, sondern WIE.

Genau hier setzen präventive und ressourcenorientierte Angebote an.

Gesundheitscoaching als ressourcenorientierter Ansatz

Wenn mentale Belastungen zunehmen, braucht es nicht nur kurzfristige Entlastung, sondern Menschen, die Gesundheit langfristig mitgestalten können.


Gesundheitscoaching verfolgt dabei einen ressourcenorientierten Ansatz. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, „was krank macht“, sondern vielmehr, was Menschen stärkt, gesund hält und in ihrer Selbstwirksamkeit unterstützt. Besonders wichtig ist dabei eine wertschätzende und lösungsorientierte Haltung.


Gesundheitscoaches begleiten Menschen dabei, gesundheitsförderliche Einstellungen und nachhaltige Veränderungen zu entwickeln. Es geht darum, individuelle Ressourcen sichtbar zu machen, Belastungen zu reflektieren und nachhaltige Veränderungen alltagsnah zu begleiten.


Gerade im beruflichen Kontext kann Gesundheitscoaching dabei helfen:

  • Stressoren frühzeitig zu erkennen
  • gesündere Grenzen zu setzen
  • Selbstfürsorge zu stärken
  • Verhaltensmuster zu reflektieren
  • Motivation und Selbstwirksamkeit zu fördern
  • gesundheitsförderliche Routinen nachhaltig aufzubauen


In unserer Weiterbildung zum Gesundheitscoach verbinden wir deshalb fachliches Gesundheitswissen mit Coachingkompetenzen, Gesprächsführung, Stressbewältigung und praxisnahen Strategien der Gesundheitsförderung.


Dabei spielt auch die Frage eine wichtige Rolle, wie Gesundheit stärker in Arbeitswelten, Unternehmen und soziale Einrichtungen integriert werden kann. Denn eine gesündere Arbeitswelt entsteht nicht allein durch einzelne Maßnahmen, sondern durch Menschen, die Gesundheit bewusst mitdenken und nachhaltig fördern.

Gesundheitsförderung in Apotheken und Gesundheitsberufen

Besonders im Gesundheitswesen ist die Belastung vieler Fachkräfte enorm.


Laut aktuellen Auswertungen gehören Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen zu den Berufsgruppen mit den höchsten psychisch bedingten Fehlzeiten. Gerade Menschen, die täglich andere unterstützen, begleiten und versorgen, arbeiten häufig selbst dauerhaft an der Belastungsgrenze. Hohe Verantwortung, Zeitdruck und Personalmangel führen dazu, dass die eigene Gesundheit zunehmend in den Hintergrund gerät.


Auch der Alltag in Vor-Ort-Apotheken ist zunehmend geprägt von Multitasking, hohem Arbeitstempo und steigenden wirtschaftlichen Anforderungen. Der Spagat zwischen pharmazeutischer Verantwortung, organisatorischen Aufgaben und einem gleichzeitig hohen Anspruch an Service und Beratung verlangt ein enormes Maß an Energie und Belastbarkeit.


Umso wichtiger wird die Frage: Wie kann eine Apotheke nicht nur für Kund:innen, sondern auch für das eigene Team und die Inhaber:innen selbst zu einem Ort der Gesundheit werden?


Genau hier setzen gesundheitsfördernde und präventive Angebote an.

In unserem Workshop für Apotheken beschäftigen wir uns deshalb nicht nur theoretisch mit mentaler Gesundheit und gesunder Unternehmenskultur, sondern vor allem mit konkreten Umsetzungsmöglichkeiten für den Berufsalltag.


Dabei geht es unter anderem um:

  • Selbstfürsorge im anspruchsvollen Arbeitsalltag
  • den Umgang mit Stress, Überforderung und hoher Reizbelastung
  • gesundheitsförderliche Arbeitsstrukturen
  • mentale Stärke und Resilienz
  • hinderliche Glaubenssätze und stressverschärfende Denkmuster
  • nachhaltige Veränderungsprozesse im Team


Durch fachliche Impulse, interaktive Übungen und gemeinsame Reflexion entstehen praxisnahe Strategien, die direkt in den Apothekenalltag integriert werden können. Denn eine gesunde Arbeitswelt entsteht nicht zufällig – sondern dort, wo Gesundheit bewusst mitgedacht und gestaltet wird.

Mentale Gesundheit im Arbeitsalltag sichtbar machen

Viele psychische Belastungen bleiben lange unsichtbar.


Kolleg:innen funktionieren weiter, obwohl die Erschöpfung längst spürbar ist. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen Räume schaffen, in denen offen über mentale Gesundheit gesprochen werden kann – ohne Stigmatisierung oder Angst vor Bewertung.


Ein wichtiger Ansatz dafür sind beispielsweise MHFA-Ersthelfer*innen-Kurse.


MHFA (Mental Health First Aid) vermittelt Grundlagenwissen zu psychischen Erkrankungen und zeigt auf, wie Betroffene frühzeitig erkannt und unterstützt werden können. Ähnlich wie ein Erste-Hilfe-Kurs für körperliche Notfälle schafft MHFA mehr Sicherheit im Umgang mit psychischen Krisen und Belastungen.


Denn mentale Gesundheit sollte genauso selbstverständlich thematisiert werden wie körperliche Gesundheit.

Vor allem in Arbeitskontexten kann dies dazu beitragen, eine unterstützende und aufmerksamere Unternehmenskultur zu etablieren.


Im Gesundheitszentrum Blütenhof finden regelmäßig MHFA-Kurse von Gesundheitscoach-Absolventin Susanne Uckun statt.

Gesundheit darf kein Luxus sein

Wenn psychische Belastungen inzwischen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsausfälle gehören, zeigt das vor allem eines: Gesundheit darf nicht erst dann Thema werden, wenn Menschen nicht mehr können.


Gesundheit entsteht nicht zufällig. Sie braucht Aufmerksamkeit, Prävention und Räume, in denen Menschen unterstützt werden.

Genau deshalb braucht es mehr Prävention, mehr Gesundheitskompetenz und mehr Menschen, die Gesundheit aktiv mitgestalten. Immer mehr Unternehmen erkennen bereits, dass genau darin eine der wichtigsten Investitionen der Zukunft liegt.


Die Frage aus dem Psychoreport bleibt deshalb entscheidend:

Wollen wir mentale Belastung weiterhin als unvermeidbaren Teil unserer Arbeitswelt akzeptieren – oder beginnen wir, Strukturen zu schaffen, die Menschen langfristig stärken?


Immer mehr Unternehmen beginnen bereits, darauf eine neue Antwort zu finden...

Deine Neugier ist geweckt und du hast Interesse selbst Gesundheitscoach zu werden?

Dann schau doch gerne bei unserer Weiterbildung zum Gesundheitcoach vorbei!

Hier gehts zur Weiterbildung Gesundheitscoach

Literatur:

Norvio (2025): Psychoreport 2025 – Deutschlands mentale Gesundheit im Wandel [online] https://norvio.de/psychoreport-2025-deutschlands-gesundheit-im-wandel/ [09.05.2026].

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